Unsere Zinsprognose ist ein Ergebnis interner Diskussionen, in denen wir Zinsprognosen der Großbanken erörtern. Wir geben Ihnen auf dieser Seite unsere Meinung als Anregung für Ihre Überlegungen weiter. Bitte beachten Sie, dass eine Untersuchung aller bisher verwendeten ökonomischen Prognosemodelle ergab, dass kein Model in der Lage war, die konjunkturelle Zukunft vorherzusagen.
Zinsentwicklung
Das Zinsjahr 2025 war geprägt von einem deutlichen Anstieg am langen Ende der Zinskurve. Der 10-jährige Mid-Swap stieg bis Anfang Januar 2026 auf 2,95 % und lag damit sogar leicht über unserer Prognose vom September 2025 (2,90 %).
Seit Jahresbeginn beobachten wir jedoch eine spürbare Gegenbewegung: Bis Mitte Februar fiel der 10-jährige Mid-Swap auf rund 2,75 %.
Wie ist diese Trendumkehr zu verstehen?
- Die EZB führt den vorherigen Anstieg darauf zurück, dass die Märkte erwartete, aber nicht erfolgte Zinssenkungen auspreisten. Zudem stiegen weltweit die Realzinsen.
- Gleichzeitig verringerte sich der Spread zwischen risikofreien Realzinsen (€STR-basierter zehnjähriger OIS-Satz) und den Staatsanleiherenditen.
- Daraus lässt sich folgern, dass sich die Länderrisiko‑ und Fragmentierungsprämien im Euroraum zurückbildeten und die Märkte ihren Blick auf globale Realzins- und Wachstumserwartungen richteten.
- Auf Deutschland bezogen bedeutet dies, dass die mit Rüstungs- und Investitionsausgaben verbundene Neuverschuldung zu einem guten Teil eingepreist ist. In diesem Zusammenhang beobachteten wir zuletzt vermehrt positive Äußerungen zur Entwicklung der Bundesanleihen.
Da sich auch die inflationsdämpfenden und -treibenden Faktoren derzeit in einem relativen Gleichgewicht halten, erwarten wir keine größeren Richtungsänderungen im Zinsumfeld. Entsprechend gehen wir bis Mitte 2026 von einer Seitwärtsentwicklung der Mid-Swaps aus.
EURIBOR-Entwicklung bestätigt Prognose
In unserer Prognose vom September 2025 erwarteten wir für den 3-Monats-EURIBOR eine Schwankungsbreite von ±10 Basispunkten um 2,00 %. Das hat sich bestätigt. Der EURIBOR notierte mehrheitlich knapp darüber (aktuell 2,00 % am 16.02.2026).
Wir rechnen mit der Fortsetzung dieses Korridors. Da sich kurzfristige geopolitische Entwicklungen, die ein Eingreifen der EZB erfordern könnten, stärker auf die kurzfristigen Zinsen auswirken dürften, begrenzen wir unseren Prognosehorizont auf die nächsten drei Monate.
Geldpolitische Rahmenbedingungen stabil
Die EZB hielt im Dezember 2025 und Februar 2026 die Leitzinsen unverändert. Die Inflationsrate im Euroraum fiel im Januar 2026 auf 1,7 % (von 2,0 % im Dezember) und nähert sich dem Zielwert von 2 %.
Die Risiken für die Inflation bleiben ausgeglichen. Dämpfend wirken ein stärkerer Euro und die anhaltenden Handelsspannungen, während potenzielle Kapazitätsengpässe aufgrund gestörter Lieferketten sowie höhere Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben treibend sind.
Fed und US-Politik beeinflussen global
Die Fed hielt auf ihrer Sitzung im Januar 2026 dem politischen Druck von Präsident Trump stand und ließ die Leitzinsen unverändert. Ausschlaggebend dafür waren die weiterhin hohe Inflation von 2,7 % sowie eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes.
Ende Januar nominierte Trump Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai 2026 endet. Warsh hat sich in der Vergangenheit oft für die Geldwertstabilität starkgemacht und gilt daher als Falke. Während des Auswahlverfahrens sprach er sich dann jedoch für Zinssenkungen aus.
Welcher Warsh der nächste Fed-Chef werden könnte, wird sich hoffentlich in seiner Anhörung vor dem Senat zeigen. Die sich daraus ergebenden Impulse sind auch für die Zinsen im Euroraum von Bedeutung.
Was den Welthandel betrifft fällt Trump weiterhin durch Zolldrohungen auf. Zuletzt drohte er damit, die Eröffnung der Grenzbrücke zwischen Windsor (Kanada) und Detroit (USA) zu verhindern.
Allerdings steht Trump zunehmend unter Druck. In der letzten Woche stimmte das Repräsentantenhaus für die Aussetzung der gegen Kanada verhängten Zölle, doch eine Bestätigung durch den Senat steht noch aus. Außerdem soll der Supreme Court zeitnah über die Rechtmäßigkeit der Zölle entscheiden.
Für den Euroraum dürfte jedoch die Tatsache von größerer Bedeutung sein, dass sich die EU und Kanada zuletzt stärker gegen die US-Politik positionierten. In diesem Zusammenhang kann die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney in Davos als symbolträchtig gewertet werden.
Fazit
Wie bisher ist die künftige Zinsentwicklung von hohen Unsicherheiten geprägt. Die Aufwärtstendenzen am langen Ende scheinen vorerst gestoppt zu sein. Die Volatilität ist zwar zurückgegangen, bleibt aufgrund der vielen Einflussfaktoren aber hoch.
Wir empfehlen Ihnen, frühzeitig mit der Beantragung einer Finanzierung zu beginnen. So können Sie sich die Mittel bei den nach wie vor zurückhaltenden Finanzierungsinstituten sichern und schnell auf kurzfristige Rücksetzer reagieren, um Ihre Zinslast zu optimieren.
Berlin, 19. Februar 2026
Robert Rakau
(Partner, Senior Consultant)