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6.2.2012 : 12:36 : +0100

Zinsprognose

Unsere Zinsprognose ist ein Ergebnis monatlicher interner Diskussionen, in denen wir Zinsprognosen der Großbanken erörtern. Wir geben Ihnen auf dieser Seite unsere Meinung als Anregung für Ihre Überlegungen weiter. Bitte beachten Sie, dass eine Untersuchung aller bisher verwendeten ökonomischen Prognosemodelle ergab, dass kein Model in der Lage war, die konjunkturelle Zukunft vorherzusagen.

   

Rückblick 2011 - Ausblick 2012

       

In diesem Jahr hat die Finanzmarktkrise voll die Staatshaushalte in den USA und Europa erreicht. Nun haben wir zu den notleidenden Banken auch notleidende Staaten. Die Politik, sowohl in den USA als auch in der EU haben viel Zeit mit populistischen Grabenkämpfen vertan. Die Probleme sind somit zum Jahresende noch größer geworden. Im Zuge dieser Entwicklung sinken die langfristigen Zinssätze seit April 2011. Die EZB ist von der Inflationsbekämpfung umgeschwenkt und hat begonnen, die Zinsen zu senken, sowie im begrenzten Umfang wieder Staatsanleihen auf zu kaufen.

 

Für 2012 wird im Euroraum eine weitere Eskalation der Finanzmarktkrise sowie eine erneute Rezession erwartet. Die gleichlaufende Konsolidierung der Staatshaushalte und die Reduktion von Kreditvergaben der Banken müsste der Verbraucher, z. B. durch ein Senken der Sparquote, kompensieren. Nur scheint die Stimmung dafür, ohne eine nachhaltige Stabilisierung der Finanzmarktkrise nicht gegeben zu sein. Trotz der laufenden Konsolidierung der Staatshaushalte bauen sich die Staatsverschuldungen in der EU in den kommenden Jahren weiter auf und sehr große Volumina stehen in 2012 zur Refinanzierung an.

 

Normalerweise wären hierfür gesunde Banken als Refinanzierungspartner der Länder vorhanden. Aber seit dem Tabubruch „freiwillige Beteiligung des privaten Sektors an der Umschuldung Griechenlands“ ist jedem Bankvorstand klar, dass Staatspapiere heute kein risikoloses Engagement mehr darstellen. Diese Neubewertung, die sich auch in den Vorgaben der Finanzaufsicht in Form von Eigenkapitalanforderungen an Banken niederschlägt, wird bei den Banken dazu führen, dass man es sich nicht mehr leisten kann, sich an den anstehenden Refinanzierungen insbesondere für Italien und Spanien zu beteiligen. Aus heutiger Sicht wäre damit der für 2012 vorgesehene Rettungsschirm bereits zu klein. Es bleibt zu hoffen oder -je nach Standpunkt- zu befürchten, dass die deutsche Politik ihren Widerstand gegen das Anwerfen der EZB-Notenpresse in 2012 aufgibt, um anstehende Refinanzierungen zu tragbaren Zinssätzen zu ermöglichen, bis in den Märkten das Vertrauen an Staatsanleihen der EU-Länder zurückkehrt und die Banken sich rekapitalisiert haben.

 

Sie als Nachfrager von Immobilienfinanzierungen werden zwei Aspekten in 2012 zu berücksichtigen haben:

 

1.    Zugang zu Liquidität

Da Banken ihre Ausleihungen zurückfahren, um neue Eigenkapitalrichtlinien zu erfüllen und/oder die Abschreibungen auf griechischen Papieren zu verkraften, werden nicht alle Banken am Markt aktiv sein. Sie sollten deshalb Ihre Kreditverlängerung sehr rechtzeitig angehen.

 

2.    Zinswende bei langfristigen Zinssätzen

Wenn die Finanzmarktkrise über die Notenpresse gelöst werden muss, erwarten wir zunächst sehr tiefe Zinsen, wie zuletzt als die EZB als Ankäufer gedeckter Schuldverschreibungen im Markt auftrat. Das Zinstief wird im 1. Halbjahr erwartet. Danach sollten die Zinsen moderat ansteigen.

 

Weitere Kostenfaktoren bei der Immobilienfinanzierung sind die aktuell ausgeweiteten Liquiditätskosten (Differenz Swapsatz und VDP - Kurve) und die Zinsmargen, die in 2011 ebenfalls zugenommen haben. Vorerst sehen wir hier keine Entlastung.

  

Wir erwarten, dass die Kostenfaktoren sich bei den Marktteilnehmern, abhängig von den individuellen Griechenlandverlusten und dem Zugang zu neuem Eigenkapital, sehr unterschiedlich entwickeln werden. Die Wettbewerbssituation verändert sich somit erneut.

 

Kann es noch schlimmer kommen? Ja, der EURO kann tatsächlich auseinanderfallen. Wir hoffen es nicht, weil dann Zahlungsausfälle in den großen Peripherieländern der EU anstehen. Welche Bank oder welcher Versicherer in Deutschland kann hohe Abschreibungen auf Staatsanleihen und Assets in diesen Ländern überleben? Die deutsche Wirtschaft muss sich dann dem Wettbewerb mit südeuropäischen Industriezweigen, die Dank Währungsabwertung konkurrenzfähig werden, stellen.

 

Wir hoffen deshalb, dass Frau Dr. Merkel, nach den Kehrtwendungen bei Atomstrom und Mindestlohn auch in der Europapolitik die Tabus einreißen wird.

 

 

Berlin, 06.12.2011