Zinsprognose Juli 2010
Unsere Zinsprognose ist ein Ergebnis monatlicher interner Diskussionen, in denen wir Zinsprognosen der Großbanken erörtern. Wir geben Ihnen auf dieser Seite unsere Meinung als Anregung für Ihre Überlegungen weiter. Bitte beachten Sie, dass alle Prognosen auf Vergangenheitsdaten und Erfahrungen aufbauen, die aufgrund der sich rasch ändernden Gesellschaft nur begrenzt Aussagekraft haben werden.
Die EURO-Krise hat die Finanzmärkte stark belastet. Ein massives Eingreifen der Politik und der EZB war notwendig. Die EZB musste einen Tabubruch begehen und Staatsanleihen vornehmlich der peripheren EURO-Länder mit schlechter Bonität aufkaufen. Wenn gleich ein solches Aufkaufprogramm nicht die Größenordnung der entsprechenden Investitionen amerikanischer und der britischer Notenbanken erreicht hat. Das Vertrauen im Interbankenmarkt ist erneut deutlich gesunken und die EZB musste die Liquiditätshilfen ausweiten.
Die Maßnahmen der EZB haben die Kapitalmarktzinssätze auf ein neues historisches Tief gesenkt.
Die Politik reagiert auf die EURO-Krise mit der Ankündigung großer Sparpakete, kombiniert mit Steuer- und Abgabenerhöhungen. Unter der Voraussetzung, dass die Ankündigungen tatsächlich umgesetzt werden, sollte dieses eine konjunkturelle Erholung, die bisher überraschend stark war, verlangsamen.
Als Ausblick auf 2011 erwarten wir, dass der schwache Euro die europäische Exportwirtschaft stützen und so die Bremswirkung der nationalen Konsolidierungsbemühungen mildern wird. Generell sehen die von uns studierten Zinsprognosen der Banken vor, dass die EZB ihre Stützungsmaßnahmen auch in 2011 fortsetzen muss. Eine Erhöhung der Geldmarktzinsen wird erst im Jahresverlauf 2011 erwartet.
Für Inflation besteht im EURO-Währungsraum erstmals keine Befürchtung. Durch die niedrige Kapazitätsauslastung tendiert die Kerninflationsrate gegen null. Preissteigernd wirken die Importe sowie Steuern- und Abgabenerhöhungen. Insgesamt werden nicht mehr als 1,5 % p. a. Kaufkraftverlust für 2010 und 2011 erwartet.
Die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt wird in den Publikationen unterschiedlich beurteilt. Zwischen 0,5 und 1,0 % werden hiernach die 10-jährigen Renditen für Pfandbriefe innerhalb der kommenden 12 Monate steigen. Einige Marktteilnehmer befürchten, dass die EZB Ihre Aufkaufprogramme für gedeckte Bankschuldverschreibungen (covered bonds) auslaufen lässt, da der beschlossene Rahmen zum Ankauf in naher Zukunft erreicht sein wird. Bedingt durch sehr viele zu prolongierenden Anleihen kann der Renditeanstieg am Bankenmarkt deshalb früher und unvermittelter als am Markt für Staatsanleihen einsetzen.
Wir empfehlen weiterhin, das durch die Interventionen der EZB erreichte historisch niedrige Zinsniveau für langfristige Konditionseindeckungen oder zum Kauf von langlaufenden Zinsabsicherungsinstrumenten zu nutzen.
Berlin den 29.06.2010



