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20.5.2012 : 6:10 : +0200

Zinsprognose

Unsere Zinsprognose ist ein Ergebnis monatlicher interner Diskussionen, in denen wir Zinsprognosen der Großbanken erörtern. Wir geben Ihnen auf dieser Seite unsere Meinung als Anregung für Ihre Überlegungen weiter. Bitte beachten Sie, dass eine Untersuchung aller bisher verwendeten ökonomischen Prognosemodelle ergab, dass kein Model in der Lage war, die konjunkturelle Zukunft vorherzusagen.

   

Das Glas war halb leer und ist jetzt halb voll

  

Die Erholung der Weltkonjunktur setzt sich fort. In China mehren sich die Zeichen, dass die Abschwächung der Konjunktur in diesem Quartal endet. In den USA mehren sich nach einiger Zeit mit durchwachsender Entwicklung ebenfalls die positiven konjunkturellen Meldungen. In Japan sollte der Wiederaufbau nach dem Tsunami zu einer starken konjunkturellen Erholung führen.

  

Insgesamt profitiert Europa von dieser Erholung der Weltwirtschaft. Die Exporte und die Anzeichen einer verstärkten Binnennachfrage nehmen zu.

  

Eine erneute Erweiterung der expansiven Geldpolitik steht somit in Europa nicht an. Diskussionen über die Normalisierung der Geldmarktpolitik der EZB in Hinblick auf Zeitpunkt und Art der Maßnahmen werden von der Bundesbank angeregt. Die Marktteilnehmer erwarten auf 12-Monatssicht allerdings keine bedeutenden Schritte der EZB. Diese muss auf die beispiellose Straffung der öffentlichen Haushalte sowie die private Haushaltskonsolidierung in Europa Rücksicht nehmen. Weiterhin ist das Platzen der Immobilienpreisblase in den Märkten noch nicht vollständig überwunden.

  

Zudem besteht eine Vielzahl von Risiken, welche die Erholung gefährden könnten. Diese liegen überwiegend in Europa. Wird Griechenland nach den Wahlen die Reformen weiter fortsetzen? Kann Portugal kapitalmarktfähig bleiben oder benötigt es erneut Hilfe? Frankreich muss größere Anstrengungen zur Konsolidierung und zu Reformen bezüglich des Arbeitsmarkts und der Steuersysteme vornehmen. Der momentan aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat will allerdings bereits vorgenommene Reformen zurückdrehen. Spanien braucht mehr Zeit für ihre Haushaltskonsolidierung und es besteht große Unsicherheit über die Qualität der Immobilienkredite von spanischen Banken.

  

Ein scharfer Ölpreisanstieg aufgrund einer Zuspitzung der Irankrise könnte alle Prognosen und Erholungstrends – zumindest vorläufig – außer Kraft setzen.

    

Dennoch gehen die von uns ausgewerteten Prognosen von einer beginnenden Normalisierung der langfristigen Renditen aus. Auf Basis von 12 Monaten sollen 10-jährige Bundesanleihen um 0,3% (Pessimisten) bis 0,9% (Optimisten) ansteigen. Die Swap-Sätze im 10-Jahresbereich könnten einen Anstieg leicht unter den der Bundesanleihen erfahren, da die Spreads (Differenz zu Bundesanleihen) etwas zurückgehen sollten.

   

Europäische Banken sind mit der Erfüllung der neuen Basel III–Kriterien und den neuen Eigenkapitalanforderungen beschäftigt. In der europäischen Union gibt es Kräfte, die eine erneute Erhöhung des Kernkapitals bei Banken fordern. Dies würde zu einem weiteren Anstieg der Bankmargen führen. Auf Jahressicht gehen wir deshalb von moderat steigenden Bank-Einständen und leicht steigenden Kreditmargen aus.

    

 

Berlin, den 23.04.2012